Klaus Landau

Lyrik

Leseproben:

 

 

 

halbmastgefühle

kilrush. sonntagmorgens nach der messe.
der shannon so grau wie der himmel
über clare, und, wie sollte es anders sein,
westwind.
chipstüten und wettscheine rasen
über die market street
und die nachricht vom anschlag rast mit.
wir löffeln gemüsesuppe,
denn unsere mägen sind von den köpfen
so weit entfernt
wie clare von omagh.

 

four green fields

wenn gott mir erlaubt alt zu werden,
mit ein wenig kleingeld und ohne
beschwerden, kauf ich dir und mir ein haus
in irland, verbrenne torf, meinetwegen
auch selbstgestochen, und getrocknet
bei irischem wind. betrinke mich dann
mit goldbraunem (keinesfalls whiskey)
mit goldbraunem tee, und singe hin und
wieder ein lied von den vier grünen
feldern, von denen eines gestohlen blieb

 

 

schlaflos in larne

vom pier aus alles tanz:
lichter, lampen und reklame,
gestank nach diesel und metall,
beschlagene fenster über uns.
ich spür dich atmen, ganz nah
an meiner haut. ein tropfen
mond auf deinen lidern. spüren
wie die zeit zerrinnt, atemloses
inselfieber packt mich ganz

 

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