Checkpoint
 

Belmont, Derry. Nenn es nie "Londonderry" gegenüber einem Nordiren! Unsere Trauzeugen warten schon am Fenster. Was für eine Freude über unsere Ankunft! Ein Nachbar ruft über die Straße: "The Germans are co-min'!" Gelächter, gemeinsam.

Abends sitzen wir beim Irish Coffee im Wohnzimmer, als der Türklopfer geht. Zwei Uniformierte treten ein, mustern uns, debattieren im Flur mit Paul. Dann schließt sich die Tür wieder. Paul erscheint mit finsterer Miene. Was war los? Er zuckt die Schultern. Polizei.

Erst später verstehen wir: Das ist Nordirland. Hier erregt man als ausländischer Tourist Verdacht. Hier gibt es noch immer Hausdurchsuchungen und höhere Mieten für Iren. Hier wird man wegen eines vergessenen Führer-scheins 24 Stunden inhaftiert. Hier sind Iren froh um einen Job und dürfen nicht lange fragen, ob er ihnen gefällt. Aber auch später verstehen wir: Das Schlagwort peace process ist ernstgemeint. Die Menschen hier haben genug von den Unruhen. Die Zukunft soll ein Gut sein: die Hoffnung auf ein Leben ohne Angst.